Neuseeland
Die Sprache der Kiwis - Warum ich nach Neuseeland gekommen bin?
Klar, die Landschaft hat einiges zu bieten. Kaum ein Land ist so vielfältig und bietet Regenwälder neben Großstadtmetropolen, Gletscher unweit von Meeresrauschen und weißen wie schwarzen Sandstränden, dazu Vulkane, Felsen, Palmen, Felder und eine auf der Welt einzigartige Flora und Fauna. Dazu kommen unzählige Möglichkeiten an Outdooraktivitäten wie durch Schluchten wandern, Bungeejumping, Segeln, Tauchen, Schnorcheln, Surfen, Fallschirmspringen, Bergsteigen, Fischen, Kanu- und Kajakfahren, Klettern, Mountainbiking, mit Delfinen und Walen schwimmen, Paragliding, am Strand reiten, Ski- und Snowboardfahren, Windsurfen, Vögel beobachten und was einem sonst noch so alles einfällt. (Wer sagt Amerika sei das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?!)
Neben der faszinierenden Natur und dem reichen Unterhaltungsangebot gibt es aber ein weiteres zentrales Motiv, das mich gut 23.500 Kilometer weit von zu Hause fortgetrieben hat und das eine nicht unbedeutende Motivation darstellt, ins Land der Kiwis zu reisen.
Die Sprache. Böse Zungen mögen behaupten, britisches Englisch lerne man besser in einem Land, in dem auch „richtiges“ Englisch gesprochen wird, aber ich finde diesen nicht unbedingt latenten Akzent der Neuseeländer sehr sympathisch. Obwohl ich zugeben muss, dass ich damals in der Universität zu Beginn ebenfalls nicht gerade latente Probleme hatte, den Austauschdozenten aus Dunedin zu verstehen. Nichtsdestotrotz hat er mit seinen interessanten Vorträgen über das Land der Gegensätze und seiner lockeren, humorvollen Art den letztgültigen Anstoß dazu gegeben, mein Auslandspraktikum in Neuseeland zu absolvieren, um hier meine Englischkenntnisse für das Anglistikstudium zu verbessern – wenn schon nicht die Aussprache, so wird wenigstens das Vokabular aufpoliert. Aber auch gegen einen „Kiwi-accent“ hätte ich nichts einzuwenden, da ich so mit einem Land in Verbindung gebracht werden würde, das für Gelassenheit und Naturschönheiten steht und wer würde damit nicht gerne identifiziert werden?
So kam ich also frohen Mutes in Auckland an, bereit nicht nur das Meeresrauschen sondern auch den Kiwi-Akzent in mich aufzusaugen. Letzteres stellte sich sogleich allerdings als nicht so einfach heraus in einer Stadt, in der 14 % Asiaten leben und zudem Tausende von Asiaten und Europäer an den Universitäten studieren und die umliegenden Wohnungen bevölkern. Und auch als ich in meinem Hostel in der K’ Road ankam, wurde ich von meinen hohen Ambitionen enttäuscht, als mich der indische Manager mit einem Akzent, der seine Herkunft deutlicher als sein Aussehen vermittelte, begrüßte. Nun gut. Immerhin unterhielt man sich auf Englisch und Ziel ist es ja primär, das flüssige Reden zu üben. Das klappte da ganz gut. Besser als mit den Hostelbewohnern, die sich zu 80% als Deutsche entpuppten und sich lautstark in ihrer Heimatsprache unterhielten.
Nun gut. Beim Praktikum wird alles besser. Da wird nur noch Englisch geredet. Zudem hatte ich mir gleich zu Anfang vorgenommen, eine WG zu suchen und mit Neuseeländern zusammenzuziehen. Okay, Asiaten, Afrikaner, Amerikaner, Australier und nichtdeutsche Europäer sind auch okay. Hauptsache es wird Englisch gesprochen. Die Wohnung, in der ich letzten Endes gelandet bin, ist tatsächlich eine solche Multikulti-WG und auch wenn kein englischer Muttersprachler dabei ist, so erzielt man doch große Lerneffekte beim gemeinsamen Vokabelsuchen. Darüber hinaus sind die Neuseeländer sehr aufgeschlossene und freundliche Menschen, mit denen man sich sehr gut und schnell anfreunden kann und die sofort bereit sind, einen Neuankömmling zu diversen Veranstaltungen einzuladen und dem eigenen Freundeskreis vorzustellen, was nicht nur das Einleben in das fremde Land erleichtert sondern auch eine wirklich tolle Möglichkeit darstellt, seine Englischkenntnisse zu erproben und zu verbessern – wenn man sich einmal an das Kiwi-Englisch gewöhnt hat, bei dem „e“-Vokale wie Kaugummi gezogen werden und Ausdrücke wie „that’s bad!“ oder „that’s shit“ nicht für Abneigung sondern im Gegenteil für positive Begeisterung stehen. Das Land der Gegensätze macht folglich auch in der Sprache seinem Ruf alle Ehre. Aber all das gehört zur Kultur eines Landes, die es bei einem Auslandsaufenthalt zu entdecken gilt. So erweist sich Neuseeland als ein wirklich wundervolles Land, um die eigenen Englischkenntnisse aufzubessern. Wenn man sich ein wenig Mühe gibt, kann man sogar noch eine zweite Sprache, Maori, mit dazulernen.
Die Sprache der Ureinwohner Neuseelands wird seit den 70er und 80er Jahren, in denen nur noch etwa 25 Prozent der Maori die eigene Muttersprache sprechen konnten, stark gefördert. Nicht nur Schulen speziell für polynesische Kinder, wie die so genannten „kohanga reo“, bieten das Erlernen der Sprache an, sondern auch mehr und mehr Pakehas, wie die „weißen“ Einwohner Neuseelands genannt werden, wenden sich in der Schule und im Alltag der Sprache zu – was mittlerweile auch unumgänglich geworden ist. Jede Institution hat nicht nur einen englischen sondern auch einen Maori Namen, einige kulturelle Institutionen wurden sogar komplett von englisch auf Maori umbenannt, wie zum Beispiel das Nationalmuseum, das sich „Te Papa“ nennt.
Aber auch wer sich dieser fremden Sprache nicht öffnen kann, wird in Neuseeland ein großartiges Land finden, um Kenntnisse zu erweitern und Erfahrungen zu sammeln; nicht nur was die Sprache anbelangt, sondern auch was kulturelle Offenheit und die eigene Lebenseinstellung betrifft. Kia ora! Willkommen in einem der schönsten Orte der Welt, um den persönlichen Horizont zu erweitern.
Sina Huth

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